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Der Drops ist noch nicht gelutscht!

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Kreuzberg hilft berichtet von der Informationsveranstaltung zum Bauvorhaben Jüterboger Strasse.

Leute, wir hatten schon ein bisschen Bammel vor dem Infoabend in der Passionskirche. Thema: Das Bauvorhaben der evangelischen Kirche am Rand der Bergmannfriedhöfe an der Jüterboger Strasse. Die Initiative gegen die Bebauung hatte dann auch mit Plakaten vor der Kirche aufgewartet, die Kirche selbst war gut gefüllt mit Gemeindemitgliedern und Bürger_innen aus der Nachbarschaft.

Das Podium bestand aus sieben Personen*, der auch aus der Kirchenasyl-Bewegung bekannte Pfarrer Quandt befand sich im Publikum. Alle im Thema und sachverständig, das hat dann auch maßgeblich die Atmosphäre des Abends bestimmt.

*Podium

  • Pfarrer Peter Storck, Evangelische Kirchengemeinde Heilig Kreuz Passion (Moderation)
  • Sascha Langenbach, Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF)
  • Florian Schmidt, Bezirksstadtrat für Bauen, Planen und Facility Management
  • Evelyne Gülzow, Geschäftsführerin Diakonischens Werk Berlin Stadtmitte
  • Monika Herrmann, Bezirksbürgermeisterin Friedrichshain-Kreuzberg
  • Pfarrer Klaus-Ekkehard Gahlbeck, Evangelischer Friedhofsverband Berlin Stadtmitte

Nun könnten wir erzählen, wie der Initiator der Bebauungs-Gegner_innen gleich zu Anfangs dramatisch mit Anwaltsbrief und Bugwelle eine Bühne für sein Vorhaben suchte – und eher peinlich gescheitert ist. Wir könnten berichten, wie die Bedenken der Anwohner_innen mit Sachverstand und Sachlichkeit beantwortet wurden. Und das Teile der Initiative gegen die Bebauung auf Grund der im völkischen Ton verfassten Protestschreiben an verschiedene Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg ihre Unterstützung und Unterschrift zurück gezogen haben. Wir sind dankbar und unglaublich beeindruckt von der breiten Unterstützung der anwesenden Bürger_innen für die Unterbringung geflüchteter Menschen und für dieses Bauprojekt, das wir Euch hier noch einmal umreißen möchten:

  • Bauherr: Evangelischer Friedhofsverband Berlin Stadtmitte
  • Betreiber: Diakonisches Werk Berlin Stadtmitte e.V.
  • Geplante Bewohner_innenzahl: 160 in Apartments für je 1-4 Personen
  • Bauweise: Modulbau aber KEIN Tempohome, 5 Etagen, wobei das Erdgeschoss für Gemeinschaftsflächen sowie Freizeit- und Beratungsangebote genutzt wird
  • Gegebenenfalls Nachnutzung als Sozialwohnungen, falls irgendwann keine Unterbringungsmöglichkeiten für Geflüchtete mehr gebraucht werden

Es wurde ein nachhaltiges Konzept für die zukünftigen Bewohner_innen präsentiert, welches im Hinblick auf Begleitung und Integration auf allen Ebenen aufgestellt sein will – daher auch die im Vergleich geringe Anzahl geplanter Wohnplätze. Die Diakonie kann auf einen reichen Schatz an Erfahrungen in dem Gebiet und auf ein gutes Beratungs- und Betreuungsnetzwerk zurückgreifen. Wir finden das unterstützenswert.

Die meisten Fragen, Bedenken und auch Einwände gab es zu dem Bauvorhaben selbst. Dieses beschrieb Pfarrer Gahlbeck vom Friedhofsverband, bestätigt von Pfarrer Quandt wie folgt: Die Bebauung ist zum einen ein Riegel entlang der Jüterboger Strasse und in der zweiten Reihe ein zweites, kleineres Gebäude. Form und Teilung begründen sich in der Rücksichtnahme auf Kriegsgräber, noch aktive Gräber und alten, schützenswerten Baumbestand. Als Standort wurde der Bereich des Wirtschaftshofes gewählt, wo es keine historischen Grabstätten gibt und wo seit 25 Jahren keine Bestattungen mehr vorgenommen wurden. Die Baufläche ist geprüft worden, alle betroffenen Grabstellen wurden einzeln unter die Lupe genommen. Es wird keinen Durchgang zur Heimstrasse geben  und das Friedhofsgelände wird von der Unterkunft abgezäunt, damit Passant_innen den Friedhof nicht als Abkürzung zur Bergmannstraße nutzen. Auch hat man mit dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) gemeinsam die Verträglichkeit des Vorhabens für die Parkanlagen besprochen und nimmt Rücksicht, zum Beispiel auf den schützenswerten Baum. Es ist auch sehr deutlich gemacht worden, dass schon rechtlich auf bestimmt 20 Jahre keine weitere Bebauung der Friedhöfe möglich sein wird. Auch das wissen die Bebauungs-Gegner_innen: Es geht hier nur um eine Unterkunft für Geflüchtete.

Unser Fazit: Hier wird transparent und mit sehr früher Einbeziehung der Anwohner_innenschaft ein sozial nachhaltiges Projekt geplant. Dabei wird auf Pietät, Denkmalschutz, Umwelt und stadtplanerische Bedarfe Rücksicht genommen – selten genug heutzutage! Kreuzberg hilft drückt die Daumen, dass die Genehmigungsverfahren schnell und positiv beschieden werden. Denn mal Hand aufs Herz, die Lebenden verdienen es!