Uncategorized

Ein paar Worte und Gedanken zum Jahresende | Teil 2

5243_10153778826203142_6788188287051054677_n

Im ersten Teil unseres Jahresrückblicks haben wir Euch von unseren Aktivitäten im Spendenraum und in den Notunterkünften berichtet. Im zweiten Teil möchten wir Euch zwei weitere Bereiche bzw. Arbeitsgruppen (kurz AGs) von Kreuzberg hilft vorstellen: Die AG Cooperation und die AG Action.

Vielen von Euch ist aus eigener Erfahrung als Fahrer_in, Sortierer_in oder Spender_in bekannt, wie der Spendenraum funktioniert und wie wir die Spenden annehmen, sortieren und weitergeben. So tragen wir zur Grundversorgung der nach Berlin geflüchteten Menschen bei. Trotz der überwältigenden Spendenbereitschaft können jedoch nicht alle Bedarfe gedeckt werden. Es gibt Dinge, die in so großen Mengen gebraucht oder verbraucht werden, dass sich bei uns die AG Cooperation darum kümmert. Zu diesen zählen beispielsweise Unterwäsche und Socken, Shampoo und Deodorant, Windeln und Babynahrung. Manchmal sind es ganz spezielle Dinge, die benötigt werden – wie besondere Gehilfen oder Schwerlastregale. Auch in solchen Fällen versucht die AG Cooperation, die benötigten Dinge aufzutreiben und schnellstmöglich den Menschen, die sie brauchen, zur Verfügung zu stellen. Gute Kontakte zu Unternehmen, Organisationen und Großspendern sind für diesen Teil unserer Arbeit existenziell. Denn um möglichst viele Menschen unterstützen zu können, handelt unsere AG Cooperation z.B. Rabatte für Großbestellungen aus. Dafür hängen wir uns auch schon mal viele Stunden ans Telefon und tippen hunderte von Emails. Wird dann eine LKW-Ladung Unterwäsche geliefert, organisieren wir die Logistik und sorgen dafür, dass die Sachen dort ankommen, wo sie benötigt werden.

Natürlich wäre all das ohne Eure Geldspenden, die wir über das Spendenkonto und die Online-Spendenplattform betterplace.org erhalten, nicht machbar. Auch konnten wir in Zusammenarbeit mit vielen Unternehmen, an die wir in den letzten Monaten herangetreten sind bzw. die auf uns zukamen, gemeinsam viel bewegen. Dafür möchten wir allen Beteiligten an dieser Stelle ausdrücklich danken.

Stellvertretend möchten wir hier zwei ganz besondere Partner von Kreuzberg hilft erwähnen: Das in Kreuzberg ansässige Modelabel IrieDaily unterstützt uns nicht nur mit vielen schicken und hochwertigen Kleidungsstücken, die gerade dringend benötigt werden, wie zum Beispiel Winterjacken. Die Mitarbeiter_innen von IrieDaily nutzt auch sein unglaubliches Netzwerk, um Großspenden zu akquirieren, PCs für die Unterkünfte zu organisieren, Kreuzberg hilft-Sticker zu drucken, T-Shirts zu bedrucken, und vieles mehr. Auch den Kontakt zum Kreuzberger Messebauer Spot On hat uns Walt vermittelt. Um die Bedingungen in den Notunterk10300_10153778826223142_6917652450335324357_nünften für die Menschen zu verbessern, hatten wir die Idee, Trennwände einzubauen. Auf diese Weise würde zumindest etwas Privatsphäre ermöglicht werden. Mit dieser Idee wandten wir uns an Alex Süssmanns Team von Spot On. Von bürokratischen Hürden und finanziellen Herausforderungen ließ sich das Team weder abschrecken noch entmutigen. Innerhalb einer Woche wurden in der ersten Notunterkunft die ersten Trennwände aufgebaut, die zweite Notunterkunft konnte vergangene Woche mit Trennwänden ausgestattet werden. Die ausstehenden zwei Notunterkünfte werden Anfang des nächsten Jahres versorgt.

Bei aller Freude über die gelingenden Kooperationen und über unsere tollen Partner_innen bleibt leider dennoch ein bitterer Beigeschmack, wenn wir nicht nur über Fragen der Zuständigkeit, sondern auch des Anstands nachdenken: Warum ist das Recht auf ein Minimum von Privatsphäre nicht als Standard für Notunterkünfte definiert? Warum müssen auch hierfür die Betreiber der Unterkünfte in finanzielle Vorleistung gehen? Und warum müssen sie monatelang auf ihr Geld warten?

Unabhängig davon, wie es immer wieder auf politischer Ebene um die Fragen der Zuständigkeit bestellt ist – unsere Kooperationen mit vielen kleinen und großen Unternehmen zeigt uns, wie vereinbar und auch gewünscht die Zusammenarbeit mit der Berliner Wirtschaft ist. Neben Geld- und Sachspenden bekommen wir auch Anfragen, ob Mitarbeiter_innen oder ganze Belegschaften von ortsansässigen Unternehmen nicht einmal von der Arbeit freigestellt in unserem Spendenraum unterstützen könnten. Wir freuen uns sehr über diese Art der Unterstützung und wollen die Idee eines „Social Day“ in ein regelmäßiges Angebot umwandeln. Natürlich halten wir euch auch diesbezüglich auf dem Laufenden.

Auch aus zahlreichen anderen Branchen wird uns Unterstützung zuteil. Zum Beispiel haben Filmschaffende unter dem Dach von Kreuzberg hilft einen berlinweiten – und bald auch deutschlandweiten – Spendenaufruf gestartet.

Auch Kooperationen mit der Berliner Kunst–, Kultur- und Clubszene gibt es immer wieder und sie haben spannende Ergebnisse erbracht. Kreuzberger Clubs sammelten und spendeten beispielsweise Kleidung und Fahrräder. Oder die Zusammenarbeit mit dem Künstler Kani Alavi und der Hochheimer Consulting GmbH, die uns zehn Prozent der Verkaufserlöse der in der Ausstellung „Facetten Berliner Moderne“ gezeigten Bilder spenden. Wer diese Ausstellung in den Räumen der Hochheimer Consulting GmbH besuchen möchte, kann das nach Voranmeldung noch bis zum 30. April 2016 tun.

Ihr möchtet Euch auch mit, bei und für Kreuzberg hilft engagieren? Ihr möchtet als Firma oder Organisation eine Spendenaktion organisieren? Ihr möchtet uns eine Geldspende zukommen lassen? Ihr möchtet Eure Mitarbeiter_innen für ein paar Stunden oder einen Tag freistellen und uns im Rahmen eines „Social Day“ unterstützen? Darüber freuen wir uns sehr. Schreibt uns einfach eine E-Mail!

Gemeinsam ein gelingendes Miteinander gestalten

Zweifellos sind Unterhosen und Winterjacken, Windeln und Duschgel wichtig, damit unsere neuen Mitbürger_innen etwas zum Anziehen haben und mit dem Nötigsten versorgt sind. Doch nicht nur die Bereitstellung materieller Dinge zeichnet die sogenannte „Willkommenskultur“ und darüber hinausreichende Integration aus. Es ist der zwischenmenschliche Austausch mit den Neu-Berliner_innen aus aller Welt, der die Voraussetzung dafür schafft, dass wir einander immer besser kennen lernen. Und durch diesen Austausch begreifen wir die aktuelle Situation als Chance, voneinander zu lernen und miteinander zu leben – und nicht nur zu überleben. Aus unserer Sicht ist die sogenannte „Krise“ eine Verwaltungs- und keine Flüchtlingskrise.

Um Menschen mit Menschen aktiv zusammen zu bringen, gibt es bei Kreuzberg hilft die AG Action. Wir ermöglichen es den Geflüchteten, für ein paar Stunden aus ihrem belastenden und eintönigen Alltag herauszutreten. Denn in den Notunterkünften und anderen Einrichtungen für Geflüchtete sind die Menschen zum Warten und Nichtstun verurteilt. In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir die unterschiedlichsten Aktivitäten geplant, organisiert und durchgeführt.
Ob beim Drachensteigen lassen auf dem Tempelhofer Feld, beim Laternenbasteln in Wilmersdorf, beim Musizieren im Klingenden Museum, beim Eislaufen oder beim Besuch von Fußball- und Basketballspielen oder Theaterstücken: Wir haben gemeinsam unter Beweis gestellt, dass es die kleinen Dinge sind, die einen Unterschied machen können. Eure Kreativität und Euer Organisationstalent, Eure Ideen und Eure Leidenschaft haben uns gemeinsam zahlreiche wunderschöne Erlebnisse beschert.

Eislaufen

Neben unseren einmaligen Aktivitäten haben wir mittlerweile auch kontinuierliche Angebote etabliert. Einmal wöchentlich gehen wir gemeinsam bouldern in Kreuzbergs Kletterhallen und bieten im Künstlerhaus Bethanien Yogaklassen an. Mehrmals pro Woche geben wir Deutschkurse in den Notunterkünften und in regelmäßigen Abständen trifft sich uBouldern1nsere Koch-Gruppe zum Kochen und Schlemmen nach Rezepten aus den Herkunftsländern unserer neuen Mitbürger_innen. Unsere Garten-AG plant schon im Winter emsig die Aktivitäten unserer kleinen Parzelle in der Kleingarten-Kolonie Freie Stunde e.V.. Im neuen Jahr wollen wir einen wöchentlichen Lauftreff etablieren sowie unser Fußball-Programm „we-fit-2gether“ kontinuierlich auf- und ausbauen. Bei all diesen Unternehmungen achten wir darauf, dass Alt- und Neuberliner_innen zusammen etwas unternehmen – wir bieten nicht Freizeitaktivitäten für Geflüchtete an, wir gestalten sie mit ihnen gemeinsam.

Wir werden von erfahrenen Kulturinitiativen und –netzwerken beraten und unterstützt wie etwa vom Kulturnetzwerk Neukölln. Wir haben verlässliche und engagierte Partner in Berlins Kunst- und Kulturszene gewonnen, zum Beispiel das wunderbare Team der Theaterproduktionsfirma „santinis“. Menschen, die sich mit dem einsetzen wollen, was sie am besten können und Institutionen, die bereit dazu sind, über den eigenen Tellerrand hinaus zu schauen, sich auf die Begegnungen und den Austausch mit unseren neuen Mitbürger_innen freuen und diesen als Chance und als Gewinn betrachten. Darüber sind wir sehr froh und das spornt uns an, weiter zu machen.

Koch-Event_1

Auch im nächsten Jahr haben wir zahlreiche Aktivitäten und Projekte geplant, wollen wir bestehende Programme weiterführen und kreative neue Ideen umsetzen. Dafür brauchen wir Euch – Eure Zeit, Euer Herz, Euren Verstand. Und wir möchten auch 2016 dazu beitragen können, den neu angekommenen Menschen den Start hier zu erleichtern und mit ihnen gemeinsam die wunderbaren Seiten zu entdecken, die Berlin zu bieten hat. Wenn Ihr dabei sein wollt, dann meldet Euch bei uns.

Offene Türen bei Kreuzberg hilft

Zum Schluss laden wir Euch herzlich ein zu unserem Tag der offenen Tür. Merkt Euch schon mal den 30. Januar 2016 ab 11 Uhr (am Mariannenplatz 1 in Kreuzberg) vor. Wir stellen uns vor, zeigen unsere Räume und unsere Arbeit und nehmen uns Zeit für eure Fragen. Wir freuen uns sehr darauf, einen schönen Tag mit Euch zu verbringen.

Immer auf dem Laufenden über unsere Aktivitäten und Termine bleibt Ihr durch unseren Newsletter.

Einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht Euch Kreuzberg hilft

Newsletter