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Through Refugee Eyes

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„Die Wahrheit zu sagen, war das erste Recht, das uns im Krieg genommen wurde, so begann ich auf der Flucht, mir das Fotografieren beizubringen. Ich lieh mir Computer, Bücher und Kameras, alles in der Hoffnung, später die Wahrheit darüber mitzuteilen, was den Familien in Syrien passiert ist. Am 26. Februar 2016 erreichte meine Familie Griechenland. Zwölf Tage später wurde die Grenze geschlossen und ich wurde offiziell zu einem Bewohner eines Zeltlagers. Über meine Kunst verleihe ich meinen Gefühlen Ausdruck, schreie sie hinaus und erzähle der Welt, was ich über sie denke. Ich träumte einmal davon, ein guter Künstler zu sein. Heute ist alles anders. Alles was ich möchte, ist, der Welt von den vergessenen Menschen aus Syrien zu erzählen.“ (Abdulazez Dukhan)

„Through Refugee Eyes“ – so lautet der Titel der Ausstellung die am 04. Januar 2017 im Mein Haus am See eröffnet wurde. Organisiert und kuratiert wurde sie von uns – Anne, Christina, Clara, Dora, Inga und Theresa – fünf Berliner Studentinnen, die sich über Kreuzberg hilft gesucht und gefunden haben.

Die Idee zur Ausstellung kam von Theresa, die bereits im November des vergangenen Jahres eindrücklich von ihren Erlebnissen im Geflüchteten-Camp Frakapor während ihrer freiwilligen Arbeit mit der Privatinitiative Swisscross berichtete. Während dieses Einsatzes lernte sie die vier syrischen Künstlerinnen und Künstler kennen, deren Arbeiten in der Ausstellung zu sehen sind. Alle verarbeiten in ihren Werken ihre Erlebnisse und Erfahrungen während der Flucht und schildern ihre derzeitige Situation mit Hilfe ihrer Kunst aus ihrer ganz eigenen Sicht. Einer Sicht, die hier in Deutschland immer noch viel zu wenig Beachtung findet.

Die Ausstellung beabsichtigte darum, den Fokus auf die Lage in Griechenland zu richten und dabei nicht über die Künstlerinnen und Künstler zu berichten, sondern sie selbst – mittels ihrer Kunst – zu Wort kommen zu lassen.

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Denn die Situation in den griechischen Camps ist prekär, die Zukunftsaussichten sind bedrückend. Betritt man das Flüchtlingslager Frakapor im Norden von Thessaloniki, Griechenland, schlägt einem der strenge Geruch von Fäkalien entgegen. In der Nähe eines Klärwerkes leben hier seit Monaten 500 Menschen in 120 Zelten in einer alten Fabrikhalle. Begrenzt in ihren Möglichkeiten, sowohl hinsichtlich der Berufsausbildung als auch der freizeitlichen Aktivitäten, verharren die Geflüchteten hier bereits ein Dreivierteljahr – ein baldiges Ende dieser Situation ist nicht in Sicht. Viele von ihnen waren zuvor bereits in Idomeni und wurden dann im Zuge der Auflösung des Camps nach Frakapor gebracht, im Gepäck eine Menge Hoffnungen auf bessere Lebensumstände und Zukunftsperspektiven. Kaum eine dieser Hoffnungen hat sich erfüllt.

Norshan Barjs, Reshan Barjs, Abdulazez Dukhan und Razan Issa nutzten die Zeit, um ihre Erlebnisse, Kriegserfahrungen, Ängste und Sehnsüchte in Bildern zum Ausdruck zu bringen und so zu verarbeiten.

Die elfjährige Razan hat eine klare Botschaft in die Welt zu tragen, die sie in ihren Zeichnungen zu Papier bringt: rebellisch und hoffnungsvoll zugleich, beeindruckt sie den Betrachter mit ihren aussagekräftigen Werken von hohem symbolischen Wert.

Anders als Razans zeichnerische Hilferufe, schafft der 18-jährige Abdulazez Dukhan eine Variation fotografischer Werke, die die längst nicht versiegte Lebensfreude der Kinder in den Lagern lebhaft illustriert. Abdulazez Dukhan versteht sich selbst als Pionier, als Augenöffner.

Norshan und Reshan, zwei junge Frauen aus Syrien, reflektieren in ihren Zeichnungen hingegen nicht nur ihre persönlichen Emotionen, sondern darüber hinaus auch die Bilderflut der Medien.

Ob Zeichnungen hoch symbolischen Charakters oder lebensfrohe Kinderporträts aus dem Alltag in Frakapor: gemein haben all diese Werke ihre unverfälschte Sichtweise auf die aktuelle Situation in Griechenland.

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Drei Monate Arbeit sind in die Organisation der Ausstellung geflossen. Es musste eine Location gefunden, Bilder mussten ausgewählt, gedruckt und auf Pappen gezogen werden, wir haben Begleit-Texte verfasst, uns um die Pressearbeit und Bewerbung der Ausstellung gekümmert und ein Abendprogramm für die Eröffnung organisiert. Dank des tollen und engagierten Teams, welches große Freude an dem Projekt hatte und der großartigen Zusammenarbeit mit Kreuzberg hilft, Mein Haus am See, der Band Borderless und allen voran den vier Künstlerinnen und Künstlern selbst hat all das wunderbar funktioniert und eine tolle Ausstellung und ein wundervoller Eröffnungsabend sind entstanden!

Unerwartet viele Kunst-Interessierte sind zur Vernissage gekommen und es gab zahlreiche spannende Gespräche und Möglichkeiten sich zu vernetzten oder sich über die Lage in Griechenland und die Werke der Künstlerinnen und Künstler auszutauschen. Abgerundet wurde der Abend durch einen Vortrag von Johanna, die mit Theresa vor Ort in Griechenland war und aus erster Hand über die Lage in Frakapor berichten konnte und durch die Musik der Band Borderless. Darüber hinaus konnten auch Spenden eingenommen werden, die direkt an die Kunstschaffenden gingen, die aufgrund ihrer aktuellen Situation und der politischen Lage bedauerlicherweise nicht vor Ort sein konnten. Auch Fotos vom Abend haben wir ihnen geschickt, und sie haben sich wahnsinnig über das große Interesse an ihrer Kunst und der Thematik gefreut.

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Wir freuen uns sehr darüber, dass der Abend so erfolgreich war und es uns allen miteinander gelungen ist, die Situation in Griechenland aus Sicht der geflüchteten Künstlerinnen und Künstler zu schildern, ihrer Stimme einen Raum zu geben, die sonst kaum gehört wird. Insbesondere angesichts eines aktuellen politischen Shifts hin zu weniger offenen und liberalen Gesellschaften und einem vermeintlich wieder salonfähigen Fremdenhass ist es uns wichtig, einen Beitrag zum aktuellen politischen Diskurs zu leisten. Auch und gerade indem wir versuchen, der Perspektive der Geflüchteten selbst die Öffentlichkeit zu verschaffen, die sie so dringend braucht: through refugee eyes eben.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 07. Februar 2017 im Mein Haus am See, wer also neugierig geworden ist, ist herzlich eingeladen, sie zu besuchen.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Mitwirkenden und all jenen, die unsere Ausstellung ermöglicht haben, insbesondere bei der Band Borderless, bei Johanna für ihren Vortrag, bei Mein Haus am See und bei Kreuzberg hilft e.V.

Wir sind offen und dankbar für Anregungen bezüglich weiterer Ausstellungsprojekte, um die Inhalte der Werke weiterzutragen. Angebote und Anregungen gern an: ausstellung.throughrefugeeeyes@gmail.com

Anne, Christina, Clara, Dora, Inga und Theresa